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Als die Engländer kamen
Als die Engländer kamen


Hallo. Ihr fragt euch sicher, wer ich bin, und warum ich das hier schreibe. Ich hätte auch mit einer peppigen Aktionszene anfangen können, dann würden euch die Motive des Schreibens gar nicht mehr interessieren, wohl aber der Ursprung der so drastisch ausgearteten Situation. Schlagzeilenmentalität nennt man das, glaube ich.

Da wir nun wissen, wer ihr seid, ist auch schon alles Wichtige erledigt, denn im Endeffekt ist nicht wichtig, wer ich bin, denn mich habt ihr in spätestens 1 Jahr wieder vergessen, und das ist großzügig geschätzt. Euch selbst aber tragt ihr euer ganzes Leben lang mit euch herum (ich bin mir der Paradoxie meines Satzbaus durchaus bewusst), und daher erachte ich es für wichtiger, dass ihr euch selbst besser kennen lernt, als dass ihr unwichtige Daten über mich erfahrt. Wenn wir nun davon ausgehen, dass die, die sich halbwegs mit dieser Definition ihrer selbst als ‘sensationsgeil’ abfinden können, weiterleben, und die, die mit meiner Umschreibung nicht einverstanden sind, nicht, so wissen wir nun mindestens eine Tatsache über jeden einzelnen von euch. Und wer weiß, vielleicht seid ihr euch dieses Charakterzugs an euch ja noch nie gewahr geworden?

Ist aber auch egal. Nachdem wir die Begrüßung hinter uns haben, lasst mich euch meine Geschichte erzählen. Ich wurde in einer kleinen Stadt in der Nähe des Ruhrgebiets geboren, wo genau weiß ich nicht mehr, da wir kurz darauf vor den englischen Bombern auf Land hinaus fliehen mussten. Als wir wiederkamen war jeder tot, der uns etwas dazu hätte sagen können, in den Trümmern verhungert oder erschlagen, vom Feuer verzehrt, von Bomben entweder zur Gänze zerfetzt oder nur schwer verwundet und zum Ausbluten 4 Meter von der Einschlagsstelle der Bombe liegengelassen, von der Wucht der Explosion einen riesigen Eisenkeil aus einem zerstörten Gebäude in der Brust. So fanden wir jedenfalls einen Mann vor, den meine Mutter als meinen Vater identifizierte. Ich war zu diesem Zeitpunkt 7 Jahre alt.

Wir hatten Zuflucht bei einem befreundeten Bauern bekommen, der uns mit Vorräten in seinem Keller einquartierte, wo auch er lebte. Ab und zu erreichte er auf einem gegrabenen Tunnel das Abwasserskanäle der Stadt, deren Namen auch er nicht mehr wusste. Er wusste gar nichts mehr seit ein deutscher Soldat ihm mit einer Schaufel auf den Hinterkopf geschlagen hatte, und nachdem er aufgewacht war war seine Frau verschwunden gewesen. “Düstere Zeiten, das geht vorüber…” murmelte meiner Mutter zu dieser Zeit immer nachts, die Arme um die Knie geschlungen. Ich konnte nie schlafen, wenn sie das tat, und hörte ihr notgedrungen zu. Ich konnte bald an ihrer Stimme erkennen, wie weit sie noch von einem weiteren Weinkrampf entfernt war. Und jedes Mal fing auch ich an zu weinen, die Zähne in die Decke aus zwei zusammengenähten Kartoffelsäcken gebissen. Nach einer gewissen Zeit erlitten sowohl meine Mutter als auch ich Schwächeanfälle und waren über Tage ans Bett gebunden. Doch der Bauer war ein ehrlicher Mann nid kümmerte sich rührend um uns. Er holte immer wieder Vorräte aus der Stadt heraus, und es schien, sein Vorrat an Enthusiasmus und Nahrungsquellen sei unersättlich.

Als dann die aliierten Soldaten einmarschierten war es Zeit für den Bauern, eine schwierige Entscheidung zu treffen. Sie wären niemals in unsere Richtung gekommen, und mit zwei schwer Kranken konnte er wohl kaum in die nächste Stadt spazieren gehen. Also fing er an, Mühsam Treibstoff heranzuschaffen. Als er eine immense Menge zusammen hatte übergoss er seinen ganzen Stall, das Haupthaus und den Schuppen und steckte ihn in Brand. Er hatte uns vorher behutsam auf schlittenartige Tragen in das Tunnelsystem der Stadt hineingezogen, dass stillgegelgt war, sodass es nur etwas kühl, ansonsten aber nicht gesundheitsschädlich war. Ich wurde den unbestimmten Verdacht nicht los, dass er in seiner unendlichen Vorraussicht und Weisheit selbst durch das ihm entgegenströmende Wasser angetreten, es locker durchkämpft und die Kanäle mit blanker Faust und Steinblöcke selbst abgedichtet hatte. Als ich dies meiner Mutter erzählte, kicherte sie nur und starrte an die Wand, die Arme immer noch um die Beine geschlungen. Da kam der Bauer wieder und meinte, wenn ich wollte und mich kräftig genug fühlte, könnte ich 4 Dinge erleben, die ich im Leben nicht zu übertreffen vermochte. “Wie meinst du das?” hakte ich neugierig nach.. “Naja, ich bin mir nicht sicher, aber ich würde vermuten, dass du hier draußen, dein erstes, größtes, sinnreichstes und trotzdem hoffnungslosestes Feuer aller Zeiten sehen wirst. Aber trotzdem ist es gigantisch, wunderschön, und warm. Na los, komm!”

Wir saßen auf einem umgestürzten Telefonmasten, den der Bauer selbst gefällt hatte, wie er erzählte. Der Hof brannte, und in ir stieg das Gefühl auf, das musste die Art Feuer sein, wie es im Fegefeuer herrschen musste, allumfassend und gnadenlos. Meine Mutter hatte ab und an im Schlaf davon gebrabbelt. Das Feuer schien immer größer und lodernder zu werden, dennoch mussten wir uns nicht umsetzen, um der Hitze zu entgehen. Und zu unserer Freude war auch die Rauchentwicklung extrem heftig.

Der Hof brannte alles in allem etwa 30 Stunden, wie der Bauer schätzte, und als er nur noch so vor sich hin glühte erblickte der Bauer am Horizont einen Truppenverband, der auf dem Weg zu uns zu sein schien. Wir tanzten fast eine Viertelstunde. Der erste Schuss kam plötzlich und sauste mir etwa 2 Millimeter am Ohr vorbei. Ich konnte spüren, wie der Luftzug mein Ohrläppchen hinter sich her sog, und so wie ich beim Springen mit dem Kopf schaukelte, so musste es ein Bruchteil einer Sekunde gewesen sein, der mich rettete. Was den Bauern anging, der hatte nicht so viel Glück. Ihn trafen die nächsten zwei abgefeuerten Kugeln, seltsamerweise eine von vorn und eine von schräg westlich hinter uns. Die Alliierten Soldaten rück aus nordöstlicher Richtung an.  Ihre Kugel traf ihn frontal aufs Nasenbein, brach ein glattes Loch und trat ohne großes Aufhebens hinten wieder aus. Als die Kugel ihn traf schlug sein Kopf in den Nacken, und der erstaunte Gesichtsausdruck, den er angenommen hatte, als er realisiert hatte, was an meinem Ohr vorbei gesaust war, blieb auf seinem Gesicht. Dann traf ihn eine weitere von hinter uns und ließ ihn bei seinem Sturz nach hinten kurz zucken, als würde er in der Luft stehen bleiben wollen. Ich sah in Richtung des Heckenschützen und sah einen weiteren Überlebenden, den wir tags zuvor bei dem Versuch, unsere Unterkunft über Kellerluke zu stürmen, abgewehrt hatten, mit einem rauchenden Gewehr in der Hand. Die Allierten fingen an zu jubeln und zu pfeifen, denn der Schuss war im Stehen aus großer Entfernung abgefeuert worden, und  das Gewehr war schwer. Außerdem hielten sie einen Feind desjenigen, den sie irrtümlich für ihren Feind hielten, für ihren Freund. Als sie nun vor sich hin grölten schien der Mann sie erst zu bemerken, und dummerweise eröffnete er das Feuer. Er traf nicht mal annähernd irgendetwas, und als die Soldaten bemerkten, dass sie beschossen wurden traten sie ihre Zigaretten aus und gingen hinter einem Erdhügel in Deckung. Dann wiederum eröffneten sie das Feuer. Der Mann, der im übrigen ziemlich weit weg stand und den ich daher nicht klar sehen konnte, wurde einfach umgemäht. Ich konnte nicht einmal zählen, wie viele Kugeln ihn auf einmal trafen, doch es sah aus, als wäre er von einer riesigen unsichtbaren Hand einfach frontal weggeschleudert worden, und er landete außerhalb meines Blickfelds. Erst jetzt fiel mir auf, warum sie uns beschossen. Wir hatten genau zum Zwecke der Abwehr solcher Räuber aus herumliegendem Stacheldraht Barrikaden gebaut, die den deutschen Straßensperren täuschend ähnlich sahen, da sie ihnen nachempfunden waren. Nun hatten die Soldaten offenbar eine deutsche Straßensperre mit einem aufgeregten Mann gesehen, und zwar aus großer Entfernung und mit aufgewirbeltem Staub von ihren Stiefeln, der sich dank der einwöchigen Regenpause wunderbar in der trockenen Luft hielt, und hatten geschossen. Als ich zu dem Bauern hinüber sah hatte er ein kreisrundes Loch mitten zwischen den Augen, und einen überraschten Gesichtsausdruck. Ich stand immer noch genau so da als die Soldaten eintrafen, mich skeptisch anriefen und sich dann auf gut Glück aus der Nähe von meiner Ungefährlichkeit überzeugten. Sie nahmen mich mit, aber irgendwo entlang der Strecke wurde ich ohnmächtig. Ich wachte nur in kurzen Abständen wieder auf, und das auch nur teils, grade genug, um ein paar zusammenhanglose Laute von mir zu geben und wieder wegzutreten.

Es war vorbei. Der Krieg war vorbei. Alles würde gut werden. Wir waren besiegt, unser Land verwüstet, kaum arbeitsfähige Bevölkerung und keine Arbeit für sie. Und auch ich hatte niemanden mehr. Nur noch die freundlichen Männer, die zwar etwas bestimmt grob, vor Filmaufnahmegeräten aber immer viel freundlicher wurden, und einen Haufen potenzieller Albträume. Und in diesem Moment traf ich die Entscheidung, dass ich diesen Tag nicht überleben würde. Seltsamerweise gab mir diese Entscheidung die Kraft, weiterzugehen. Ich glaube, hätte ich nicht in diesem Moment diese Entscheidung getroffen, dann wäre ich auf der Stelle zusammengebrochen und hätte mich von der gesamten Hoffnungslosigkeit der Situation in den Wahnsinn treiben lassen. So aber fand ich die Kraft, einen Fuß unbeholfen und zittrig vor den anderen zu setzen, und das einzige, was mich am Leben hielt, war der Wunsch, in Ruhe und nicht durch jemand anderen zu sterben, wie es den Menschen um mich herum leider versagt geblieben war.
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